Learning Together: Couperose & Rosacea
Couperose und Rosacea betreffen weltweit sehr viele Menschen und zählen zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Hautbildern im dermatologischen Alltag. Trotz ihrer Häufigkeit bestehen noch immer viele Unsicherheiten - sowohl in der Abgrenzung der Begriffe als auch im Umgang mit der Haut im Alltag.
In dieser Learning Together Serie erkläre ich dir aus kosmetikwissenschaftlicher Sicht,
was hinter Couperose und Rosacea steckt,
wie sich beide Hautbilder unterscheiden,
und wie eine therapiebegleitende Hautpflege sinnvoll unterstützen kann.
Sollte bei dir ärztlich eine Rosacea diagnostiziert worden sein, findest du hier zusätzlich praxisnahe Empfehlungen aus der medizinischen Kosmetik, sowie eine Übersicht zu Wirkstoffen und Maßnahmen, die eher kontraproduktiv sein können.
Let’s learn together.
Was sind Couperose und Rosacea?
Couperose und Rosacea zählen zu den chronischen, multifaktoriellen Hauterkrankungen mit vaskulärer und entzündlicher Beteiligung. Die exakte Ursache ist bislang nicht vollständig geklärt. Der aktuelle wissenschaftliche Konsens geht von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus, darunter:
eine gestörte Gefäßregulation
eine veränderte angeborene Immunantwort der Haut
eine Barrierestörung
eine vermehrte Reaktion auf normalerweise harmlose Mikroorganismen (z. B. Demodex-Milben oder bestimmte Bakterien)
Wichtig:
Diese Mikroorganismen kommen auf jeder gesunden Haut vor. Entscheidend ist nicht ihre bloße Anwesenheit, sondern die überschießende entzündliche Reaktion der Haut bei Rosacea-Patient:innen.
Merkmale & Unterschiede zwischen Couperose und Rosacea
Beide Hautbilder sind eng miteinander verwandt und lassen sich nicht immer trennscharf voneinander abgrenzen. Häufig wird die Couperose als frühes Stadium oder milde Verlaufsform der Rosacea eingeordnet.
Couperose
Die Couperose beschreibt primär eine Schwäche der oberflächlichen Blutgefäße im Gesicht. Dadurch werden feinste Äderchen (Teleangiektasien) sichtbar, die normalerweise tiefer in der Haut liegen.
Typische Merkmale:
diffuse oder fleckige Rötungen
sichtbare, feine Äderchen
anfangs nur episodisch (z. B. bei Wärme), später dauerhaft
häufig trockene, empfindliche Haut
gesteigerte Reaktivität auf äußere Reize
Die Entzündung steht hier noch nicht im Vordergrund, kann sich aber im Verlauf entwickeln.
Rosacea
Rosacea ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die neben vaskulären Veränderungen auch entzündliche Hautreaktionen umfasst.
Typische Symptome:
persistierende Rötungen
sichtbare Äderchen
Brennen, Stechen, Hitzegefühl
Schwellungen
entzündliche Papeln und Pusteln
mögliche Augenbeteiligung (okuläre Rosacea)
Die Symptome betreffen meist das Zentrum des Gesichts (Nase, Wangen, Stirn, Kinn).
Rosacea tritt familiär gehäuft auf und manifestiert sich häufig zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, kann jedoch auch deutlich früher beginnen.
Klinische Subtypen der Rosacea
In der Dermatologie unterscheidet man mehrere Subtypen - Mischformen sind sehr häufig:
1. Erythematoteleangiektatische Rosacea
anhaltende Gesichtsrötung
Flushs (plötzliche, heiße Rötungen)
Brennen, Stechen, Spannungsgefühl
ggf. trockene, schuppige Haut
2. Papulopustulöse Rosacea
entzündliche Papeln und Pusteln
v. a. im Bereich von Nase, Wangen, Stirn
Abgrenzung zur perioralen Dermatitis wichtig
3. Phymatöse Rosacea
Verdickung der Haut
vergrößerte Poren
knotige Hautveränderungen
bekannteste Form: Rhinophym (Nase)
4. Granulomatöse Rosacea
gelblich-bräunliche, feste Knoten
weniger Rötung, dafür tiefer liegende Entzündung
mögliches Narbenrisiko
5. Okuläre Rosacea
Rötung, Brennen oder Fremdkörpergefühl der Augen
Lidrandentzündungen
häufig unterschätzt
Die Diagnose
Der erste und wichtigste Schritt ist immer die dermatologische Abklärung.
Nur Ärzt:innen können eine sichere Diagnose stellen und gegebenenfalls eine medikamentöse Therapie einleiten.
Kosmetische und apparative Behandlungen sowie eine angepasste Hautpflege sind immer therapiebegleitend zu verstehen - nicht als Ersatz für medizinische Behandlung.
Medizinische Behandlungsmöglichkeiten (Kurzüberblick)
Je nach Ausprägung kommen u. a. zum Einsatz:
topische Azelainsäure (Rx)
Metronidazol
ggf. Schwefelpräparate
in bestimmten Fällen niedrig dosierte Retinoide
kurzfristig orale Antibiotika
IPL oder Laser (z. B. PDL) zur Gefäßreduktion
Hautpflege & ergänzende Ansätze
Eine sanfte, konsistente Hautpflege ist essenziell. Ziel ist:
Stabilisierung der Hautbarriere
Reduktion von Entzündung
Minimierung von Reizfaktoren
Darm–Haut-Achse
Studien zeigen, dass bei einem Teil der Rosacea-Patient:innen ein bakterielles Überwachsen im Dünndarm vorliegt.
Daher können - nach ärztlicher Rücksprache -
orale Probiotika
sowie postbiotische Inhaltsstoffe in der Hautpflege
eine sinnvolle Ergänzung sein.
Rosacea - Dos & Don’ts (Praxisübersicht)
Dos
Azelainsäure
PHA & milde Enzympeelings
Grüntee-Extrakt
Schwefel (gezielt)
Zink
Resveratrol
Panthenol
Niacinamid (niedrig dosiert, mild formuliert)
wenige, gut verträgliche Produkte
Haut nur sanft trocken tupfen
täglicher Sonnenschutz
grüne Farbkorrekturen bei Rötung
mineralisches Make-up
Don’ts
mechanische Peelings & Bürsten
Mikrodermabrasion
einfache Alkohole
Hamamelis
Duftstoffe & ätherische Öle
Urea
topische Steroide ohne ärztliche Anweisung
Hydrochinon
heiße Bäder, Saunen, Dampfbäder
heißes Wasser im Gesicht
Dampf während Kosmetikbehandlungen
heiße Kompressen oder Handtücher
Mögliche Rosacea-Trigger
Rosacea-Schübe sind individuell. Ein Trigger-Tagebuch kann sehr hilfreich sein.
Häufige Auslöser:
Wetter
Sonne (Haupttrigger)
Wind
extreme Hitze oder Kälte
Lifestyle
Sauna & Dampfbäder
heiße Duschen
Stress
Ernährung
Alkohol
sehr heiße Getränke
scharfe Speisen
Was du dir merken kannst:
Rosacea ist keine reine Hautpflegesache, aber Hautpflege kann enorm viel bewirken - wenn sie barriereorientiert, reizarm und individuell angepasst ist. Weniger ist hier immer mehr.
Quellen:
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