Learning Together: 5 häufige Mythen über Hautbarriere, „natürliche“ Kosmetik & Hautpflege

 
 

Rund um Hautpflege, „natürliche“ Kosmetik und Inhaltsstoffe kursieren mittlerweile unzählige Mythen auf Social Media. Oft werden dabei komplexe kosmetikwissenschaftliche Zusammenhänge stark vereinfacht dargestellt oder bewusst emotionalisiert, wodurch schnell Unsicherheit entsteht.

Dabei funktioniert unsere Haut deutlich komplexer, als viele denken. Sie ist keine offene Oberfläche, die wahllos alles aufnimmt, sondern eine hochorganisierte Barriere mit ganz bestimmten Schutzmechanismen.

In dieser Learning Together Serie schauen wir uns deshalb einige der häufigsten Mythen rund um Hautbarriere, Naturkosmetik, Inhaltsstoffe und Formulierungen etwas genauer an und ordnen sie aus kosmetikwissenschaftlicher Sicht ein.

Let’s learn together.

  1. „Unsere Haut ist wie ein Schwamm.“
    Nein. Unsere Haut ist eine hochkomplexe Barriere, deren Hauptaufgabe darin besteht, Stoffe draußen zu halten und den Körper zu schützen. Genau deshalb müssen kosmetische Produkte gezielt formuliert werden, um überhaupt die oberen Schichten der Epidermis erreichen zu können.

  2. „Was man nicht essen kann oder darf, sollte man auch nicht auf die Haut geben.“
    Das klingt zwar logisch, lässt sich wissenschaftlich aber nicht so einfach übertragen. Unsere Haut funktioniert völlig anders als unser Verdauungssystem. Viele Stoffe, die wir problemlos essen können, wären auf der Haut irritierend und umgekehrt gibt es zahlreiche kosmetische Inhaltsstoffe, die sicher auf der Haut angewendet werden können, obwohl sie nicht zum Verzehr gedacht sind.

  3. „Natürlich oder bio bedeutet automatisch besser oder sicherer.“
    Nicht unbedingt. Auch natürlich gewonnene Stoffe können irritierend wirken, Allergien auslösen oder während der Schwangerschaft ungeeignet sein. Unabhängig davon, woher Rohstoffe stammen oder wie sie hergestellt werden, lassen sie sich nicht pauschal in „gut“ oder „schlecht“ einteilen. Konzentration, Formulierung und Anwendung spielen eine entscheidende Rolle. Wie schon Paracelsus sagte: „Die Dosis macht das Gift.“

  4. „Naturkosmetik enthält nie synthetische Stoffe.“
    Auch in Produkten, die als Naturkosmetik verkauft werden, können synthetische Inhaltsstoffe eingesetzt werden. Selbst Zertifizierungsstellen wie Ecocert erlauben bestimmte synthetische Konservierungsmittel, wenn diese für die Produktsicherheit notwendig sind.

  5. „Wenn man einen Inhaltsstoff nicht aussprechen kann, ist er automatisch schädlich.“
    INCI-Bezeichnungen basieren auf standardisierten wissenschaftlichen Namen und sagen nichts darüber aus, ob ein Stoff gut oder schlecht ist. Viele natürlich vorkommende Stoffe klingen ebenfalls „chemisch“, da letztlich alles aus Chemie besteht. Wasser wird beispielsweise chemisch als H₂O bezeichnet und besteht aus zwei Wasserstoff- und einem Sauerstoffatom. Auch der Begriff „Dihydrogenmonoxid“ beschreibt letztlich nichts anderes als Wasser und zeigt gut, wie wissenschaftliche Bezeichnungen schnell „gefährlich“ wirken können, obwohl sie es nicht sind.

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