Learning Together: Rosacea im Sommer - Warum Hitze die Haut reizen kann und wie du sie optimal schützt

 
 

Der Sommer bedeutet für viele Menschen Sonne, Urlaub und lange Tage im Freien. Für Menschen mit Rosacea beginnt jedoch häufig die herausforderndste Zeit des Jahres. Plötzlich reagiert die Haut empfindlicher als sonst: Die Rötungen nehmen zu, das Gesicht fühlt sich heiß an, kleine entzündliche Papeln treten häufiger auf oder die Haut beginnt unangenehm zu brennen.

Viele Betroffene fragen sich deshalb:

  • Warum verschlechtert sich meine Rosacea im Sommer?

  • Sollte ich die Sonne komplett meiden?

  • Welcher Sonnenschutz eignet sich?

  • Und was kann ich tun, um Schübe möglichst zu verhindern?

Die gute Nachricht: Hitze gehört zwar zu den häufigsten Auslösern von Rosacea-Schüben, sie bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sich die Erkrankung verschlechtern muss. Wer die biologischen Mechanismen versteht und die Haut gezielt unterstützt, kann den Sommer häufig deutlich entspannter genießen.

Let's learn together.

Was ist Rosacea überhaupt?

Rosacea ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die vor allem die zentralen Gesichtsbereiche betrifft. Besonders häufig betroffen sind Wangen, Nase, Stirn und Kinn.

Die Erkrankung verläuft meist schubweise. Phasen mit relativ ruhiger Haut wechseln sich mit sogenannten Flare-ups ab, in denen die Beschwerden deutlich zunehmen können.

Typische Symptome sind:

  • anhaltende Gesichtsrötungen

  • sichtbare erweiterte Blutgefäße (Teleangiektasien)

  • Papeln und Pusteln

  • Brennen oder Stechen

  • erhöhte Hautempfindlichkeit

  • trockene, gespannte Haut

Rosacea kann jedoch nicht nur die Haut betreffen. Bei einem Teil der Betroffenen sind auch die Augen beteiligt (okuläre Rosacea). Mögliche Beschwerden sind trockene, gerötete oder tränende Augen, ein Fremdkörpergefühl, Brennen oder wiederkehrende Entzündungen der Augenlider. Treten solche Symptome auf, sollten sie dermatologisch oder augenärztlich abgeklärt werden.

Wichtig zu wissen: Rosacea ist keine Akne. Obwohl ebenfalls entzündliche Hautveränderungen auftreten können, unterscheiden sich Ursache, Verlauf und Behandlung deutlich.

Warum reagiert Rosacea so empfindlich auf Hitze?

Hitze zählt weltweit zu den häufigsten Triggern einer Rosacea. Der Grund liegt vor allem in der Regulation unserer Blutgefäße.

Steigt die Körpertemperatur an, erweitert der Körper die oberflächlichen Blutgefäße, um überschüssige Wärme besser abgeben zu können. Dieser Vorgang - die sogenannte Vasodilatation - ist grundsätzlich völlig normal. Bei Rosacea reagieren diese Blutgefäße jedoch deutlich empfindlicher.

Bereits geringe Temperaturanstiege können dazu führen, dass sich die Gefäße stärker und länger erweitern als bei Menschen ohne Rosacea. Dadurch können verstärkte Gesichtsrötungen, Flushes, Hitzegefühl, Brennen und entzündliche Prozesse begünstigt werden.

Welche Rolle spielt UV-Strahlung?

Neben Hitze zählt auch UV-Strahlung zu den wichtigsten Auslösern von Rosacea-Schüben.

Dabei geht es nicht nur um Sonnenbrand. UV-Strahlung kann unter anderem oxidativen Stress fördern, entzündliche Signalwege aktivieren, entzündungsfördernde Botenstoffe freisetzen und die Hautbarriere beeinträchtigen. Ein konsequenter UV-Schutz und ein bewusster Umgang mit der Sonne gehören daher zu den wichtigsten Maßnahmen im Sommer.

Warum verschlechtert sich Rosacea häufig im Urlaub?

Viele Betroffene berichten, dass sich ihre Haut im Urlaub plötzlich verschlechtert.

Dafür kommen meist mehrere Faktoren gleichzeitig zusammen:

  • intensive Sonneneinstrahlung

  • hohe Temperaturen

  • hohe Luftfeuchtigkeit

  • Wind

  • Salz- oder Chlorwasser

  • Alkohol

  • scharfes Essen

  • ungewohnte Hautpflege

  • Klimaanlagen

Häufig wirken mehrere Trigger gleichzeitig und verstärken sich gegenseitig.

Warum fühlt sich Rosacea-Haut oft heiß an?

Viele Betroffene beschreiben, dass sich ihre Haut „wie verbrannt“ anfühlt, obwohl äußerlich nur geringe Veränderungen sichtbar sind.

Dieses Brennen hängt unter anderem damit zusammen, dass bestimmte Nervenfasern empfindlicher auf Reize reagieren. Bei Rosacea scheinen unter anderem TRPV1-Rezeptoren empfindlicher auf Wärme, Capsaicin, Alkohol und weitere Reize zu reagieren. Dadurch können bereits Temperaturen, die andere Menschen als angenehm empfinden, ein ausgeprägtes Hitze- und Brenngefühl auslösen.

Warum ist die Hautbarriere häufig gestört?

Studien zeigen, dass viele Menschen mit Rosacea eine beeinträchtigte Hautbarriere aufweisen. Dadurch verliert die Haut leichter Feuchtigkeit und reagiert empfindlicher auf äußere Reize. Eine geschwächte Hautbarriere kann dazu beitragen, dass Pflegeprodukte plötzlich brennen, Spannungsgefühle auftreten oder Rötungen schneller entstehen. Deshalb spielt eine konsequente Barrierestärkung eine zentrale Rolle in der Rosacea-Pflege.

Welche Inhaltsstoffe können die Haut unterstützen?

Es gibt keinen einzelnen Wirkstoff, der Rosacea heilt. Einige kosmetische Inhaltsstoffe können jedoch dazu beitragen, die Hautbarriere zu stärken und Irritationen zu reduzieren.

Dazu gehören beispielsweise:

Ceramide

Ceramide sind natürliche Bestandteile der Hautbarriere und spielen eine zentrale Rolle bei ihrer Stabilität. Sie helfen dabei, den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) zu reduzieren und die Haut widerstandsfähiger gegenüber äußeren Reizen zu machen.

Glycerin

Glycerin zählt zu den wirksamsten Feuchthaltemitteln in der Hautpflege. Es bindet Wasser in der Hornschicht und unterstützt so die Hydratation sowie die Funktion der Hautbarriere.

Panthenol

Panthenol (Provitamin B5) wirkt feuchtigkeitsspendend und unterstützt die Regeneration der Hautbarriere. Gleichzeitig besitzt es beruhigende Eigenschaften und kann Spannungsgefühle reduzieren.

Niacinamid

Niacinamid kann die Hautbarriere stärken, die Ceramidsynthese fördern und entzündliche Prozesse positiv beeinflussen. Da sehr hohe Konzentrationen bei empfindlicher Haut vereinzelt Irritationen hervorrufen können, empfiehlt es sich, zunächst niedrigere Konzentrationen zu wählen.

Azelainsäure

Azelainsäure gehört zu den am besten untersuchten Wirkstoffen bei Rosacea. Sie besitzt entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften und kann Papeln, Pusteln sowie Rötungen reduzieren. In der Dermatologie wird sie unter anderem als Arzneimittel zur Behandlung der papulopustulösen Rosacea eingesetzt. Auch kosmetische Formulierungen mit niedrigeren Konzentrationen können für viele Betroffene eine sinnvolle Ergänzung der Pflegeroutine sein.

Ectoin

Ectoin ist ein sogenanntes Extremolyt - ein natürliches Schutzmolekül, das ursprünglich von Mikroorganismen gebildet wird, um unter extremen Umweltbedingungen zu überleben. In der Hautpflege trägt Ectoin dazu bei, die Hautbarriere zu stabilisieren, Feuchtigkeit zu bewahren und die Haut vor umweltbedingtem Stress wie UV-Strahlung oder Hitze zu schützen. Aufgrund seiner guten Verträglichkeit wird Ectoin häufig in Produkten für empfindliche oder zu Rosacea neigende Haut eingesetzt.

TRP-Regulatoren (z. B. Angiopausine™)

Auch moderne Wirkstoffkomplexe, die auf neurovaskuläre Signalwege abzielen - beispielsweise TRP-Regulatoren wie Angiopausine™ - werden derzeit untersucht. Erste Ergebnisse sind vielversprechend, die Evidenz ist bislang jedoch geringer als beispielsweise für Azelainsäure.

Welche Inhaltsstoffe können problematisch sein?

Nicht jeder Mensch mit Rosacea reagiert auf dieselben Inhaltsstoffe. Deshalb gibt es keinen einzelnen Stoff, den alle Betroffenen grundsätzlich meiden sollten.

Viele Betroffene berichten jedoch häufiger über Irritationen bei folgenden Inhaltsstoffen:

  • stark parfümierten Produkten

  • ätherischen Ölen

  • Menthol

  • Kampfer

  • hohen Alkoholmengen in bestimmten Formulierungen

  • stark peelenden Produkten

  • aggressiven Reinigern

Entscheidend ist jedoch immer die gesamte Formulierung und die individuelle Verträglichkeit.

Welcher Sonnenschutz eignet sich bei Rosacea?

Der beste Sonnenschutz ist derjenige, den du jeden Tag ausreichend aufträgst.

Ideal sind Produkte mit:

  • hohem UVA-Schutz

  • mindestens SPF 30, besser SPF 50+

  • guter Verträglichkeit

  • angenehmer Textur

Viele Menschen mit Rosacea bevorzugen Formulierungen ohne Duftstoffe.

Getönte Sonnenschutzprodukte mit Eisenoxiden ersetzen in der Regel keinen klassischen Sonnenschutz, da sie meist nicht in ausreichender Menge aufgetragen werden, um den angegebenen Lichtschutzfaktor zu erreichen. Sie können jedoch zusätzlich sichtbares Licht teilweise absorbieren und Rötungen optisch kaschieren. Trage sie am besten nach deinem Sonnenschutz auf oder verwende eine Foundation mit Eisenoxiden.

Muss ich die Sonne komplett meiden?

Nein. Sonnenlicht ist wichtig für unser Wohlbefinden und viele alltägliche Aktivitäten finden draußen statt.

Statt die Sonne vollständig zu meiden, ist ein bewusster Umgang entscheidend.

Hilfreich sind beispielsweise:

  • Schatten bevorzugen

  • Mittagssonne möglichst meiden

  • breitkrempige Hüte tragen

  • Sonnenbrille nutzen

  • ausreichend trinken

  • Gesicht regelmäßig abkühlen

  • Sonnenschutz nach Bedarf erneuern

Darf ich Sport machen?

Ja. Sport ist grundsätzlich auch bei Rosacea empfehlenswert.

Da intensive körperliche Belastung die Körpertemperatur erhöht, profitieren viele Betroffene von kleinen Anpassungen:

  • Training morgens oder abends

  • kühlere Trainingsräume

  • ausreichend trinken

  • Gesicht nach dem Sport abkühlen (Hier kann man auf ein Thermalwasser-Spray setzen)

  • verschwitzte Kleidung zeitnah wechseln

Ist kaltes Wasser sinnvoll?

Eiskaltes Wasser oder Eiswürfel direkt auf der Haut sind meist keine gute Idee.

Extreme Temperaturunterschiede können die empfindlichen Blutgefäße zusätzlich reizen.

Angenehmer sind:

  • kühle (nicht eisige) Kompressen

  • Thermalwassersprays

  • Ventilatoren

  • klimatisierte Räume

  • lauwarmes Wasser bei der Reinigung

Häufige Sommer-Trigger bei Rosacea - Worauf du achten kannst:

Jede Haut reagiert unterschiedlich. Dennoch berichten viele Betroffene über ähnliche Auslöser:

  • direkte Sonne

  • hohe Außentemperaturen

  • heiße Getränke

  • scharfes Essen

  • Alkohol

  • Sauna

  • Dampfbäder

  • intensiver Sport

  • emotionaler Stress

  • heiße Duschen

Extra-Tipp: Ein Trigger-Tagebuch kann helfen, individuelle Auslöser besser zu erkennen.

Mythen über Rosacea im Sommer

Mythos 1: Rosacea entsteht durch zu viel Sonne.

Falsch.

Sonne verursacht keine Rosacea, kann bestehende Symptome jedoch deutlich verschlechtern.

Mythos 2: Rosacea-Haut braucht im Sommer keine Pflege.

Falsch.

Gerade im Sommer ist eine gut gepflegte Hautbarriere entscheidend, um Irritationen vorzubeugen.

Mythos 3: Sonnenschutz verschlimmert Rosacea grundsätzlich.

Falsch.

Unverträgliche Formulierungen können einzelne Personen reizen. Ein gut verträglicher Sonnenschutz gehört jedoch zu den wichtigsten Bestandteilen der Rosacea-Pflege.

Mythos 4: Rötungen sind nur ein kosmetisches Problem.

Falsch.

Rosacea ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung. Eine frühzeitige und konsequente Behandlung kann helfen, Symptome zu kontrollieren und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.

Was du aus dieser Learning Together Serie mitnehmen kannst

Rosacea kann sich im Sommer durch Hitze, UV-Strahlung und andere Umweltfaktoren verschlechtern. Das bedeutet jedoch nicht, dass du auf Sonne oder Aktivitäten im Freien verzichten musst. Mit einem konsequenten Sonnenschutz, einer barrierestärkenden Hautpflege, dem Vermeiden individueller Trigger und einem bewussten Umgang mit Hitze lassen sich viele Schübe deutlich reduzieren.

Da sich Rosacea von Mensch zu Mensch unterschiedlich äußert, gibt es keine allgemeingültige Pflegeroutine. Entscheidend ist, die eigene Haut kennenzulernen, persönliche Auslöser zu identifizieren und Produkte zu wählen, die die Hautbarriere langfristig unterstützen.

Sollten die Beschwerden trotz einer angepassten Hautpflege zunehmen, häufige Schübe auftreten oder Unsicherheiten bei der Behandlung bestehen, solltest du dich an eine Dermatologin oder einen Dermatologen wenden. Eine frühzeitige Diagnose und individuell abgestimmte Therapie können helfen, die Symptome langfristig besser zu kontrollieren. Rosacea lässt sich zwar nicht heilen, mit dem richtigen Wissen, einer passenden Hautpflege und einer individuell abgestimmten Behandlung ist sie jedoch häufig gut kontrollierbar. Ziel ist nicht perfekte Haut, sondern eine möglichst stabile Haut, mit der du dich im Alltag wohlfühlst.

Quellen:

  1. Gallo RL, Granstein RD, Kang S, Mannis M, Steinhoff M, Tan J, Thiboutot D. Standard classification and pathophysiology of rosacea: The 2017 update by the National Rosacea Society Expert Committee. J Am Acad Dermatol. 2018 Jan;78(1):148-155. doi: 10.1016/j.jaad.2017.08.037. Epub 2017 Oct 28. PMID: 29089180.

  2. Buddenkotte J, Steinhoff M. Recent advances in understanding and managing rosacea. F1000Res. 2018 Dec 3;7:F1000 Faculty Rev-1885. doi: 10.12688/f1000research.16537.1. PMID: 30631431; PMCID: PMC6281021.

  3. Culp B, Scheinfeld N. Rosacea: a review. P T. 2009 Jan;34(1):38-45. PMID: 19562004; PMCID: PMC2700634.

  4. Galluccio, G.; D’Onghia, M.; Malvaso, D.; Lazzeri, L.; Cinotti, E.; Rubegni, G.; Rubegni, P.; Calabrese, L. Advances in the Pathogenesis and Treatment of Rosacea: A Phenotype-Based Therapeutic Approach. Cosmetics 2024, 11, 11. https://doi.org/10.3390/cosmetics11010011

  5. Nguyen C, Kuceki G, Birdsall M, Sahni DR, Sahni VN, Hull CM. Rosacea: Practical Guidance and Challenges for Clinical Management. Clin Cosmet Investig Dermatol. 2024 Jan 23;17:175-190. doi: 10.2147/CCID.S391705. PMID: 38283794; PMCID: PMC10821660.

  6. Clanner-Engelshofen et al., S2k-Leitlinie Rosazea (2022)

  7. Wang D, Zhang J, Wang B, Gao J, Zhang G. Current Trends and Future Insights on Rosacea Treatment: A Bibliometric Analysis. Clin Cosmet Investig Dermatol. 2025 Dec 13;18:3397-3412. doi: 10.2147/CCID.S568058. PMID: 41425113; PMCID: PMC12714495.

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