Learning Together: Wie Foundations formuliert werden und warum Eisenoxide dabei eine zentrale Rolle spielen

 
 

Wenn wir an Foundations denken, geht es meist um Farbe, Deckkraft und Finish. Wir wählen den passenden Ton, achten auf die Textur und darauf, wie das Produkt auf der Haut wirkt. Was man nicht direkt auf den ersten Blick erkennt: Foundations gehören zu den komplexesten Formulierungen in der dekorativen Kosmetik. Denn hinter einem scheinbar einfachen Produkt steckt ein präzises Zusammenspiel aus Pigmenten, Oberflächenchemie und Emulsionstechnologie. Besonders die eingesetzten Pigmente, genauer gesagt Eisenoxide, spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie bestimmen nicht nur die Farbe, sondern beeinflussen auch maßgeblich die Verarbeitung, Stabilität und Performance der gesamten Formulierung.

Und genau hier wird es spannend: Ihre Funktion kann, je nach Kontext und Formulierung, über die reine Farbgebung hinausgehen.

Let’s learn together.

Die Basis jeder Foundation: Pigmente

Die Farbgebung von Foundations basiert in den meisten Fällen auf einer reduzierten, aber gezielt eingesetzten Pigmentpalette:

  • Gelb (Eisenoxid Gelb, CI 77492)

  • Rot (Eisenoxid Rot, CI 77491)

  • Schwarz (Eisenoxid Schwarz, CI 77499)

  • Weiß (Titanium Dioxide, CI 77891)

Diese Pigmente sind anorganische Farbpigmente mit hoher chemischer Stabilität, guter Hautverträglichkeit und reproduzierbarer Farbwirkung.

In der Formulierung werden sie so kombiniert, dass sich nahezu jeder Hautton präzise nachbilden lässt. Gelb und Rot steuern dabei die Untertöne der Haut, während Schwarz und Weiß die Helligkeit und Tiefe des Farbtons regulieren. Auf diese Weise entstehen die verschiedenen Shades, die wir aus Foundations kennen.

Warum Pigmente in der Formulierung so anspruchsvoll sind

Pigmente liegen in der Formulierung als feste Partikel vor. Genau darin liegt die Herausforderung.

Sie sind von Natur aus:

  • schwer benetzbar

  • neigen zur Agglomeration (Verklumpung)

  • schwierig gleichmäßig zu dispergieren

Ohne gezielte Aufbereitung würden sie sich nicht homogen in die Formulierung integrieren lassen. Das würde sich direkt im Produkt zeigen: fleckiger Auftrag, ungleichmäßige Farbe und instabile Systeme.

Die Lösung: Beschichtung mit Silikonen

Um diese Probleme zu lösen, werden Pigmente häufig mit Silikonen beschichtet, beispielsweise mit Dimethicone.

Durch diese Beschichtung verändern sich die Eigenschaften der Pigmente entscheidend.

Sie werden:

  • besser dispergierbar

  • gleichmäßiger in der Formulierung verteilt

  • hydrophober (wasserabweisend)

  • sensorisch angenehmer auf der Haut

Das Ergebnis ist eine deutlich stabilere Formulierung. Die Foundation lässt sich gleichmäßig auftragen, wirkt homogener auf der Haut und zeigt eine verbesserte Langzeitstabilität.

Warum viele Foundations Wasser-in-Silikon-Systeme sind

Ein weiterer entscheidender Punkt in der Entwicklung moderner Foundations ist das gewählte Emulsionssystem. Viele High-Performance Foundations basieren auf sogenannten Wasser-in-Silikon-Emulsionen (W/S).

Das bedeutet:

  • Die innere Phase besteht aus Wasser

  • Die äußere, kontinuierliche Phase besteht aus Silikonen

Dieses System bietet mehrere Vorteile.

Zum einen sorgt die Silikonphase für ein leichtes, seidiges Hautgefühl und ein schnelles Setzen der Formulierung, ohne fettig zu wirken. Zum anderen sind silikonbeschichtete Pigmente optimal mit dieser Phase kompatibel und können darin gleichmäßig dispergiert werden.

Beim Auftragen entsteht so ein homogener, gleichmäßiger Film auf der Haut, die Grundlage für ein ebenmäßiges, langanhaltendes Finish.

Das Zusammenspiel von Pigment, Beschichtung und System

Die einzelnen Komponenten sind dabei nicht isoliert zu betrachten, sondern greifen ineinander.

Die Pigmente werden beschichtet, um ihre Verarbeitbarkeit zu verbessern.
Diese Beschichtung erhöht ihre Kompatibilität mit der Silikonphase.
Und genau diese Phase bildet in der Emulsion die kontinuierliche Struktur, die den Film auf der Haut bestimmt.

Dieses Zusammenspiel ist entscheidend für:

  • gleichmäßige Farbverteilung

  • Haltbarkeit

  • Sensorik

  • Gesamtperformance der Foundation

Ein zusätzlicher Aspekt: sichtbares Licht und Pigmentierung

Neben ihrer Funktion als Farbpigmente gibt es noch einen weiteren, lange unterschätzten Aspekt.

Eisenoxide können sichtbares Licht teilweise absorbieren und streuen, insbesondere im blau-violetten Bereich des Spektrums.

Dieser Wellenlängenbereich wird zunehmend mit der Entstehung und Verschlechterung von Hyperpigmentierung in Verbindung gebracht.

Studien zeigen, dass sichtbares Licht:

  • die Aktivität von Melanozyten beeinflussen kann

  • zur verstärkten Melaninbildung beitragen kann

  • Pigmentstörungen wie Melasma oder PIH verschlechtern kann

Klassischer Sonnenschutz schützt zwar vor UV-Strahlung, bietet jedoch nur begrenzten Schutz im sichtbaren Bereich.

Warum getönte Produkte hier relevant werden

Durch den Einsatz von Eisenoxiden können getönte Produkte, wie Foundations oder getönte Sonnenschutzmittel, zusätzlich dazu beitragen, sichtbares Licht zu reduzieren.

Das bedeutet nicht, dass sie Hyperpigmentierung behandeln.
Ihre Rolle liegt vielmehr in der präventiven Unterstützung der täglichen Photoprotektion.

Wichtig ist dabei: Der Effekt ist abhängig von Formulierung, Pigmentkonzentration und Deckkraft und kann je nach Produkt variieren.

Wichtige Einordnung aus kosmetikwissenschaftlicher Sicht

Der Einfluss auf sichtbares Licht hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Konzentration der Pigmente

  • Deckkraft des Produkts

  • gleichmäßiger Auftrag

  • aufgetragene Menge

Ein sehr leicht getöntes Produkt wird diesen Effekt nur eingeschränkt leisten können.

Wie du Sonnenschutz und getönte Produkte richtig in deine Routine integrierst

Damit du sowohl von UV-Schutz als auch vom zusätzlichen Effekt durch Eisenoxide profitieren kannst, ist vor allem die richtige Anwendung und Reihenfolge entscheidend. Grundsätzlich gilt: Sonnenschutz ist immer die Basis.

Morgendliche Routine (vereinfacht):

  1. Reinigung

  2. Pflege (z. B. Serum, Creme)

  3. Sonnenschutz (ausreichende Menge!)

  4. Getönte Produkte (Foundation oder getönter SPF)

Variante 1: Klassischer Sonnenschutz + Foundation

Du verwendest zuerst einen Sonnenschutz und trägst anschließend eine Foundation auf.

Vorteil:

  • zuverlässiger UV-Schutz

  • zusätzliche Reduktion von sichtbarem Licht durch die Pigmente

Wichtig: Die Foundation ersetzt den Sonnenschutz nicht, sondern ergänzt ihn.

Variante 2: Getönter Sonnenschutz

Hier nutzt du einen Sonnenschutz, der bereits Eisenoxide enthält.

Vorteil:

  • UV-Schutz und Reduktion von sichtbarem Licht in einem Schritt

Einschränkung: Die aufgetragene Menge ist entscheidend. In der Praxis wird häufig zu wenig Produkt verwendet, wodurch der tatsächliche Schutz reduziert wird. Daher wäre Variante 1 zu bevorzugen.

Worauf du achten solltest

  • ausreichende Menge (ca. 2 mg/cm²; Gesicht ≈ 2–3 Fingerlängen)

  • gleichmäßiger Auftrag

  • Nachcremen bei Bedarf

Foundation oder ein getönter Sonnenschutz werden in der Regel dünner aufgetragen und sollte daher primär als Ergänzung betrachtet werden, nicht als alleiniger Schutz. Aus kosmetikwissenschaftlicher Sicht ist die Kombination aus Sonnenschutz und zusätzlicher Foundation in vielen Fällen die sinnvollere Variante.

Was du aus dieser Learning Together Serie mitnehmen kannst:

Foundations sind weit mehr als nur Make-up.
Ihre Entwicklung basiert auf einem präzisen Zusammenspiel aus Pigmentchemie, Oberflächenmodifikation und Emulsionstechnologie.

Eisenoxide übernehmen dabei eine doppelte Funktion:

  • als zentrale Farbpigmente zur Shade-Entwicklung

  • und als zusätzlicher Faktor, der sichtbares Licht teilweise reduzieren kann

Quellen:

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Learning Together: Selbstbräuner aus kosmetikwissenschaftlicher Sicht - Wirkweise, Auswahl und Anwendung